Ernährung bei Niereninsuffizienz: Säurelast senken, ohne Kalium aus dem Blick zu verlieren
Basentracker Team
Bei chronischer Nierenerkrankung kann die Niere weniger Säure ausscheiden. Eine hohe Säurelast aus der Ernährung ist in Studien mit einem schnelleren Fortschreiten verbunden, und mehr Obst und Gemüse verbesserte bei Patienten mit beginnender Übersäuerung die Blutwerte ähnlich wie Natron-Tabletten. Gleichzeitig sind viele basische Lebensmittel kaliumreich, und Kalium muss bei fortgeschrittener Erkrankung oft begrenzt werden. Die Lösung sind basische Lebensmittel mit wenig Kalium, weniger Phosphatzusätze, maßvolles Eiweiß und regelmäßige Laborkontrollen in Absprache mit der Nephrologie.
⚠️ Wichtig vorab
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder diätetische Beratung. Bei Nierenerkrankungen hängt die richtige Ernährung vom Stadium, von den Laborwerten und von den Medikamenten ab. Kalium, Phosphat und Eiweiß sollten nur nach Rücksprache mit der behandelnden Nephrologie oder einer Ernährungsfachkraft verändert werden.
Warum die Säurelast bei Nierenerkrankungen zählt
Gesunde Nieren scheiden die Säure aus der Ernährung problemlos aus. Mit abnehmender Nierenfunktion gelingt das schlechter. Ab etwa Stadium 3 bis 4 sinkt bei vielen Patienten das Hydrogencarbonat im Blut, eine metabolische Azidose entsteht. Sie ist nicht nur ein Laborwert: Sie fördert Muskelabbau, belastet die Knochen und ist mit einem schnelleren Verlust an Nierenfunktion verbunden.
In Beobachtungsstudien hatten Menschen mit hoher Säurelast der Ernährung, gemessen als PRAL oder als geschätzte Netto-Säurelast, ein höheres Risiko, dass ihre Nierenerkrankung fortschreitet. In Interventionsstudien der Arbeitsgruppe um Nimrit Goraya und Donald Wesson verbesserten basenbildendes Obst und Gemüse bei Patienten im Stadium 3 und 4 mit beginnender Azidose die Blutwerte ähnlich gut wie Natriumhydrogencarbonat-Tabletten. Ausgeschlossen waren dabei Patienten mit erhöhtem Kalium, und Kalium wurde engmaschig kontrolliert. Diese Einschränkung ist der Kern des Themas.
Wie man die Säurelast einzelner Lebensmittel einschätzt, erklärt der Artikel PRAL-Wert.
Der Konflikt: basisch heißt oft kaliumreich
Kalium ist der wichtigste basische Nährstoff im PRAL-Wert. Deshalb sind Spinat, Bananen, Kartoffeln, Avocado und Trockenobst so basisch, und genau diese Lebensmittel stehen auf den Listen, die bei erhöhtem Kalium gemieden werden. Erhöhtes Kalium im Blut (Hyperkaliämie) kann Herzrhythmusstörungen auslösen. Das Risiko steigt im fortgeschrittenen Stadium und unter Medikamenten wie ACE-Hemmern, Sartanen oder kaliumsparenden Entwässerungsmitteln.
Es gibt aber basische Lebensmittel mit wenig Kalium:
| Lebensmittel | Kalium je 100 g | PRAL je 100 g | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Heidelbeeren | 84 mg | −1,3 | basisch, wenig Kalium |
| Apfel | 111 mg | −1,9 | basisch, wenig Kalium |
| Gurke | 181 mg | −3,3 | basisch, wenig Kalium |
| Erdbeeren | 183 mg | −3,0 | basisch, wenig Kalium |
| Weintrauben | 198 mg | −3,5 | basisch, wenig Kalium |
| Blumenkohl, gekocht | 215 mg | −2,6 | basisch, wenig Kalium |
| Tomate | 239 mg | −4,2 | basisch, mittleres Kalium |
| Zucchini | 258 mg | −4,1 | basisch, mittleres Kalium |
| Kopfsalat | 306 mg | −6,2 | basisch, mittleres Kalium |
| Banane | 334 mg | −6,4 | basisch, viel Kalium |
| Kartoffel, gekocht | 384 mg | −6,5 | basisch, viel Kalium |
| Avocado | 550 mg | −9,9 | basisch, sehr viel Kalium |
| Spinat | 573 mg | −12,2 | basisch, sehr viel Kalium |
| Aprikosen, getrocknet | 1.136 mg | −21,8 | basisch, sehr viel Kalium |
Nährwerte und PRAL: Basentracker-Lebensmitteldatenbank (Bundeslebensmittelschlüssel 4.0 und weitere Quellen, siehe Quellen).
Kalium lässt sich zudem verringern: Kartoffeln und Gemüse klein schneiden, einige Stunden wässern und in viel Wasser kochen, das Kochwasser wegschütten. Das senkt den Kaliumgehalt um ein Drittel bis die Hälfte. Der PRAL-Wert sinkt dabei mit, das Lebensmittel wird weniger basisch, bleibt aber meist im negativen Bereich.
Eiweiß: weniger, nicht mehr
Eiweiß ist der stärkste Säurebildner der Ernährung und belastet die Niere zusätzlich über die Filtrationslast. Die internationale Leitlinie KDIGO empfiehlt Erwachsenen mit chronischer Nierenerkrankung ab Stadium 3, die nicht dialysiert werden, etwa 0,8 g Eiweiß je Kilogramm Körpergewicht am Tag und rät von sehr eiweißreicher Ernährung ab. Für 70 kg sind das rund 56 g.
Pflanzliche Eiweißquellen haben dabei zwei Vorteile: weniger Säurelast je Gramm Eiweiß und Phosphor, der schlechter aufgenommen wird als aus tierischen Quellen. Hülsenfrüchte sind allerdings kaliumreich, auch hier entscheiden die Laborwerte. Unter Dialyse gelten andere Regeln, dort wird meist mehr Eiweiß empfohlen.
Phosphat: der doppelte Gewinn
Phosphor erhöht den PRAL-Wert und belastet bei Nierenerkrankungen zusätzlich die Gefäße und Knochen. Am stärksten wirken Phosphatzusätze, weil sie fast vollständig aufgenommen werden: Schmelzkäse, Brühwurst, Kochschinken, Cola, Backmischungen und Fertiggerichte. In der Zutatenliste stehen sie als Phosphat, Diphosphat, Polyphosphat oder E 338 bis E 341 und E 450 bis E 452. Wer diese Produkte meidet, senkt Phosphat und Säurelast zugleich.
Eine Übersicht gibt die Tabelle phosphorarme Lebensmittel mit Kaliumspalte.
Was das für den Alltag heißt
- Laborwerte kennen. Kalium, Phosphat und Hydrogencarbonat im Blut bestimmen, wie viel Spielraum besteht.
- Basisch mit wenig Kalium. Äpfel, Beeren, Trauben, Gurke, Blumenkohl, Paprika, Zucchini und Salat als Grundlage.
- Eiweiß maßvoll. Kleinere Portionen Fleisch, Fisch und Käse, ein Teil des Eiweißes aus pflanzlichen Quellen, wenn das Kalium es erlaubt.
- Phosphatzusätze meiden. Frisch kochen statt Fertigprodukte, Schmelzkäse und Brühwurst streichen.
- Salz sparsam. Weniger Salz schützt Blutdruck und Niere.
Weiterlesen: PRAL-Wert erklärt, Säure-Basen-Haushalt einfach erklärt, Ernährung bei Nierensteinen, Kaliumreiche Lebensmittel, Phosphorarme Lebensmittel.
Fazit
Bei Niereninsuffizienz ist eine niedrige Säurelast ein sinnvolles Ziel: Sie kann den Hydrogencarbonatwert im Blut verbessern und das Fortschreiten bremsen. Der Weg dorthin ist aber nicht derselbe wie bei Gesunden. Basische Lebensmittel mit wenig Kalium, weniger Phosphatzusätze und maßvolles Eiweiß verbinden die Ziele, immer abgestimmt auf die eigenen Laborwerte und die Behandlung.
Die Säurelast im Blick, die Laborwerte beim Arzt.
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